Ergotrics in 'Artsenkrant' (Zeitschrift für Ärzte)

Teilen Sie

"Als Neurochirurg war ich jeden Tag mit dem Problem konfrontiert, Patienten auf den Operationstisch zu heben und sie in Bauchlage richtig zu lagern, um Blutungen und Komplikationen zu vermeiden", erklärt Dr. Paul Depauw (50). "Aber der Schritt von der Idee, Druckluft zu verwenden, bis zur Einführung eines neuen ergonomischen Werkzeugs im Gesundheitswesen ist ein Marathonlauf. Glücklicherweise wächst das Bewusstsein im Management des Gesundheitswesens, dass Ergonomie ein zentrales Thema sein sollte."

Dr. Depauw erinnert sich, wie er auf die Idee kam, mit Druckluft zu arbeiten: "In einem Operationssaal steht zwar Druckluft zur Verfügung, aber zum Heben und Kippen hat man sie nicht verwendet - anders als auf dem Bau oder in Fabriken. Ich habe noch das Video auf meinem Handy, wie ein umgekippter Lastwagen mit Druckluftkissen wieder auf die Räder gestellt wurde. Da wurde mir klar: Warum nutzen wir so etwas nicht auch im Gesundheitswesen?"

 

Marathon
Der Neurochirurg fährt fort: "Jeder Arzt hat manchmal Ideen, aber nicht jeder hat die Zeit oder das Interesse, sie weiter zu verfolgen. Als Chirurgen sind wir Handwerker: Wir haben abgegrenzte Kontakte und versuchen, das Problem eines Patienten zu lösen. Aber zwischen einer Idee und der Markteinführung einer Innovation muss man einen gewissen Unternehmergeist und Risikobereitschaft mitbringen. Meine Erfindung mag wie eine einfache Idee erscheinen, aber der Schritt zu einem Produkt - geschweige denn zu einem Unternehmen - ist ein ganz anderes Spiel! Ich wurde nie als Produktentwickler oder Manager ausgebildet.

"Ich habe 2009 zum ersten Mal darüber nachgedacht: Wie können wir das lösen oder verbessern? 2014 habe ich dann das Unternehmen gegründet. Aber es dauerte noch eine ganze Weile, bis wir tatsächlich einen stabilen Prototyp hatten. Ich meldete Patente an und begann, Tests durchzuführen. Gleichzeitig spielte ich mit der Idee, dieses Produkt auch anderen Gesundheitsdienstleistern zur Verfügung zu stellen. "Zu dieser Zeit kam auch Inge Bruynooghe (ehemalige Top-Frau von Philips) als CEO zum Unternehmen. Nochmals Dr. Depauw: "Die Zeitachse zeigt, warum ich dies eine Marathonreise nenne. Im Nachhinein kann man sagen: Warum bin ich nicht auf diese Idee gekommen? Ich mag ein sturer Draufgänger sein, aber das macht mich nicht zu einem Unternehmensführer. Inge und das Team sind in dieser Hinsicht viel besser aufgestellt."

 

Verantwortung
Ein wesentlicher Bestandteil der Ergotrics-Geschichte ist die Bedeutung der Ergonomie. "Es ist sehr merkwürdig, dass das Gesundheitswesen einer der letzten Sektoren ist, der der Ergonomie Aufmerksamkeit schenkt. Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung zur Bereitstellung von Arbeitsmitteln am Arbeitsplatz. Es gibt zwar internationale Leitlinien, aber sie sind nicht sehr bekannt. Die Krankenhausleitung und die Verwaltungsräte achten zunehmend darauf, auch weil das Personal so wertvoll geworden ist! "

Dr. Depauw wirft zwei wichtige Fragen auf. Nach Angaben des US-Instituts für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz sollte eine Krankenschwester nur 17 Kilogramm heben, ein männlicher Kollege 22 Kilogramm. "Ich arbeite in den Niederlanden (im Neurochirurgischen Wissenschaftszentrum in Tilburg), wo ein Patient im Durchschnitt 80 bis 120 Kilogramm wiegt. Das Team muss diese Patienten auf den Operationstisch heben und diesen Vorgang mehrmals am Tag wiederholen. Da darf man sich nicht wundern, dass die Krankenschwestern Rückenschmerzen haben oder nach einer Weile aufgeben. In England hat man errechnet, dass die Einführung eines ergonomischen keine Hebepolitik würde nur 0,2 bis 0,3% des Jahresbudgets eines Krankenhauses kosten. Das Royal College of Nursing schätzt, dass die Beibehaltung einer solchen Politik über einen Zeitraum von drei Jahren zu einer Verringerung der krankheitsbedingten Fehlzeiten des Personals aufgrund von Muskel-Skelett-Beschwerden um 50% führen würde! "Ausgehend von unserer Überzeugung, dass unsere Produkte einen nützlichen Beitrag leisten können, wollen wir das Bewusstsein für Ergonomie bei Krankenhausleitungen und Verwaltungsräten weiter schärfen. Schließlich liegt es auch in ihrer Verantwortung als Arbeitgeber."

 

Designpreis
Die Produktpalette dieser Hüpfburgen für das Gesundheitswesen hat sich seither stark vergrößert, wie der CEO betont. "Wir haben sehr schnell eine Nachfrage aus dem Gesundheitssektor erhalten, zusätzliche Produkte herzustellen. So prüfen wir beispielsweise die Möglichkeit, unsere Unisex-Produkte für weibliche Patienten im Laufe der Zeit zu diversifizieren. Zu Beginn der Covid-Pandemie begannen wir mit der Herstellung von Bandagen für die liegende Beatmung von Corona-Patienten."

Inzwischen wurde eines der Produkte (der Morphemat) auch mit dem Henry van de Velde Design Award ausgezeichnet und seine Einführung auf dem amerikanischen Markt ist in Vorbereitung. "Eine solche Auszeichnung gibt Energie. Auch der Bescheid der FDA ist ein wichtiger Meilenstein".

Eine Anekdote bringt die Geschichte von Ergotrics am besten auf den Punkt. Dr. Paul: "Als ich zwei jungen Krankenschwestern erzählte, dass ich der Erfinder dieser aufblasbaren Kissen bin, sagten sie sehr lakonisch: Wie würden Sie es sonst machen? Unser Low-Tech-Werkzeug mag sehr banal erscheinen, aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, möchte man nicht mehr ohne es heben."

Erik Brusten

Möchten Sie informiert bleiben? Melden Sie sich an, damit wir Sie auf dem Laufenden halten.

Folgen Sie uns auf den sozialen Medien: